Manöverbericht zum Bootcamp des Articolo 28

Italien 14.–16.5.2010

„Aufstehen…! Aufstehen!“ schallt es durchs Kompaniegebäude. Der General erwartet euch! Zieht eure Turnschuhe an und unter der Tarnhose den Jockstrap nicht vergessen, der Arsch muss immer bereit sein zum Versohlen…!

Es beginnt ein neuer Tag im Apennin/Italien. Rund dreißig junge Männer haben sich zusammengefunden im Bootcamp der schwulen Armee Articolo 28. Die Truppe feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Was uns erwartet: wir sind gespannt, wissen es nicht so genau. Vor vier Wochen hatten wir uns zum Camp angemeldet: Oberleutnant Anson, Unteroffizier Gonzales und Stuffz Derb, mein Name nebst Dienstgrad bei den Green Berets Intl.

Jedenfalls regnet es in Strömen. Gestern war die Welt noch in Ordnung: die Sonne schien und alle hatten Stiefel an beim Antreten. Jetzt tragen wir Turnschuhe und schlürfen unseren Kaffee aus Müslischalen, es wurde zum Frühstück befohlen. Ein Rekrut mir gegenüber sitzend badet soeben seine sämtlichen Kekse in seiner Kaffeeterrine. Etwas ungewohnt für uns. Er wird sich beim Morgenappell als einer der Zugführer herausstellen: Corporal Tom, Führer des roten Zuges: die Squadra Rosso. Er kommt etwas zu spät zum Antreten, war wohl noch auf Toilette und wird sogleich zu zehn Liegestützen verdonnert. Endlich ein militärischer Hauch, denke ich. Mit der Anzugsordnung nimmt man es ja nicht so genau. Zum Abendappell lässt man schon mal Jeans durchgehen. Was soll es, dem General wurde wohl auch das Höschen nass beim Besuch der Soldaten im Gelände: auch er in Jeans. Ob auch er einen Jockstrap drunter trägt, wie es der Truppe befohlen wurde? Es wird uns verborgen bleiben.

Aber nun genug gemeckert! Man bekommt sonst einen ganz falschen Eindruck dieser Veranstaltung. Über dreißig Teilnehmer! Eine Zahl von der wir Grünen Barettträger nur träumen können! Geländespiele im strömenden Regen. Kampfgeist, Kameradschaft, körperlicher und geistiger Einsatz spiegeln sich in den glitzernden Augen der Südländer wider. Irgendetwas muss hier also doch stimmen! Der soziale Aspekt, das Miteinander, das Wir-Gefühl: das spürt man hier ganz gewaltig. Und doch, der nötige Respekt wenn Capitano Roberto zum Antreten trillert, wenn Leutnant Klaus im Ledernegligee zum Stubenappell hupt: er ist da!

Die Location einzigartig. Eine bezaubernde italienische Berglandschaft mit viel Natur, ein nahezu perfektes Kompaniegebäude oberhalb des Bergdorfes. Mannschaftsstuben, Offiziersstuben, Gemeinschaftsräumen, Küche, Speisesaal, Sanitäreinrichtungen, Appellplatz: beneidenswert! Die GBI mit eigener Stube incl. Offizierslatrine. Danke!

Der ausgeklügelte Dienstplan in Italienisch und Englisch hängt im Eingangsbereich an der Wand an einer Holzleiste. Er verrät, wie viel Vorbereitung es kostete. Auf der Holzleiste erblickt Jan eine marschierende Truppe Ameisen. Auch schwul? Jedenfalls sind diese ohne Turnschuhe unterwegs….

Am Samstagabend erwartete uns eine beeindruckende Zehnjahres-Party. Angetreten im Stillgestanden bestaunen wir das vorbereitete Feuerwerk, dass ein Rekrut entzündet. Ein zusätzlicher Schriftzug aus Draht und ölgetränktem Leinen brennt sich in den Abendhimmel: Articolo28.

Mit überwältigender Wärme und fast beschämender Freundlichkeit wurden wir drei Gäste in das Geschehen integriert. Sämtliche Ansprachen wurden für uns ins Englische übersetzt und neben dem italienischen Trinkspruch „UZE-UZE-UZE!“ bei dem eine Serviette auf der linken Schulter getragen wird (usw., usw.) wurde das „GBI: dran, drauf, drüber!“ zelebriert. Und wir mussten die Bedeutung ins Englische übersetzen, was uns nicht leicht fiel… Ulkig auch die Entstehungsgeschichte von Articolo28, wie uns der General erzählt. Vor gut zwölf Jahren erfuhr er von der Entstehung eines schwulen Uniformvereins in Deutschland, den Green Berets Intl. Interessiert versuchte er den Kontakt aufzunehmen. Da er jedoch nie Antwort erhielt beschloss er eine eigene Truppe in Italien zu gründen.

Der Kontakt hat nun eine gute Basis. Auch A28 hat Probleme. Die Macher sind der Arbeit müde, Nachwuchs für den Vorstand ist jedoch nicht in Sicht. Aber man kämpft.

Wir können einiges davon mitnehmen!

Auch unsere Turnschuhe kommen wieder mit in den Flieger. Die bleiben jedoch beim nächsten Manöver im Spind. Außer zum Frühsport!

Auf ein baldiges Wiedersehen!

„Das Glas zum Mund,…, das Messer auf den Tisch! UZE-UZE-UZE!“

Uffz (GBI) Derb