Wie der finnische Osterhase nach Sonsbeck kam

oder Manöverbericht Bunte Eier III

Am Karfreitag begab sich in einem kleinen sehr beschaulichem Örtchen namens Sonsbeck Seltsames. Eine Horde wilder Uniformierter überfiel einen kleinen Bauernhof und besetzte ihn. Bis Ostermontag sollte die Belagerung dauern… Ganz Sonsbeck war glücklich, als die Belagerer, die sich selbst „Green Berets International“ nannten verschwunden waren. Doch was war in der Zwischenzeit passiert?

Am Freitag rückten 13 Uniformierte an, die sich als Rekruten ausgaben und 5 Uniformierte, die sich als Ausbilder, Manöverleitung und Zugführer betitelten.

Das international stellte die Truppe auf jeden Fall sehr erfolgreich unter Beweis. So gab es einen Franzosen, einen Finnen, einen gebürtigen Schweizer, einen in der Schweiz lebenden und vier Green Berets hatten sich sogar extra ein Visum besorgt und sind aus Bayern angereist.

Mit dem vom Unteroffizier zum Stabsunteroffizier beförderten Osrod war ein Finne sogar als Zugführer eingeteilt. Und wie heißt es so schön? Ein Zugführer kommt selten alleine. Also gab es noch einen zweiten – diese ehrenvolle Aufgabe durfte der Unteroffizier Gonzales wahrnehmen.

Die 13 Rekruten wurden nach einer harten, schweren, anstrengenden, geistig erschöpfenden und sehr intensiven Musterung auf den jeweiligen Zug verteilt. So hatten wir den Zug Spitz und den Zug Latte. Diese beiden wurden das Wochenende über separat ausgebildet und hatten verschiedene Wettkämpfe zu bestreiten.

Warum dieses Manöver Bunte Eier heißt stellte sich bereits am Freitag heraus, denn nach der Musterung, bei der zum Glück niemand als untauglich gemustert wurde, bekamen wir schöne, handbemalte Ostereier ausgeteilt, die wir für den Rest des Wochenendes beschützen sollten, als wären es die letzten Eier der Erde.

Ebenfalls am Freitag wurde jedem Rekruten sein Leben zugeteilt. Und dafür gab es auch ein Gelübde…

Das hier ist mein Rohr.
Es gibt viele andere, aber dies ist meins!
Mein Rohr ist mein bester Freund.
Es ist mein Leben!
Ich muss es meistern, wie ich mein Leben meistern muss.
Ohne mich ist mein Rohr nutzlos.
Ohne mein Rohr bin auch ich nutzlos!
Mein Rohr verfehlt sein Ziel nie.
Ich muss schneller blasen als der mein Feind,
denn sonst bläst er mich!
Ich muss ihn blasen, bevor er mich bläst.
Das werde ich!

So schallte denn dieses Gelübde mehrmals täglich durch ganz Sonsbeck. Egal wo wir lagen, standen, marschierten, übten oder kuschelten… Dies war nicht nur unser Gelübde, sondern auch unser Schlachtruf. Ich weiß noch immer nicht, wieso bei diesem Gelübde so viel gelacht wurde… Als gute Rekruten lernten wir dieses Gelübde natürlich auswendig und freuten uns immer, wenn wir es vor der versammelten GBI voller Inbrunst erklingen lassen durften.

Am Wochenende lernten wir natürlich auch, wie wir das Rohr meistern und wie wir damit marschieren, robben, kriechen und auch wie wir uns decken. Denn auch dafür bot unser eingenommener Hof einigen Platz.

Da es im Leben nicht immer nur Sonne und Tag gibt, sondern hin und wieder auch dunkel und Nacht lehrten uns die Ausbilder auch damit umzugehen. So hatten wir eine Einzelprüfung in der Disziplin „Orientierung in der Dunkelheit und Enge“. In einem stockdunklen Raum mussten wir einen sehr niedrigen Gang finden und diesen durchkriechen – am Ende des schier endlosen Tunnels erwartete uns jedoch nur ein großer fast leerer Raum, in dem es sogar noch dunkler war… Hier durften wir uns Munition für unsere Rohre organisieren. Doch das dies gar nicht so leicht ist bei völliger Dunkelheit und Unbekanntheit des Territoriums mussten wir leidvoll erfahren. Was uns nicht tötet macht uns stark … und so machte uns auch diese Prüfung stark.

Nachdem wir jetzt Munition für das Rohr organisiert haben mussten wir aber auch damit lernen, wie es ist nutzlos zu sein. Wir zogen ausnahmsweise mal ohne Rohr aus um das eroberte Land genauer zu betrachten. Was machen Hunde als erstens wenn sie ein neues Gebiet erobern? Sie markieren es. Wieso sollten die Green Berets das nicht auch tun? Gedacht – befohlen!

Und so durften die Züge das neue Gebiet mit Bändern markieren, die dann noch wie Buchstaben aussehen sollten. Das Ergebnis davon ist sehr eindrucksvoll…

Das das A von den allerbesten Rekruten und das P von potentiellen Verlierern gelegt wurde muss wohl nicht erwähnt werden… Das A hat übrigens nur eine Größe von 210 × 210 Metern…

Zum Glück ging diese für uns alle schwere Zeit ohne unser geliebtes und schon beinahe vergöttertes Rohr aber auch wieder vorbei. Ein Rohr meistert man nicht nur durch tragen, polieren und präsentieren, sondern man nutzt es auch. Das konnten wir dann auch beim großen Blaswettbewerb tun. Wir durften unter Beweis stellen, dass wir mit den Rohren weit, präzise und schnell blasen können. Denn wir müssen „schneller blasen als der Feind“ und „unser Rohr verfehlt sein Ziel nie“.

Wie so ein Blaswettbewerb aussieht? Tja – dabei sein ist alles. Es gibt einfach Dinge, die kann man nicht erzählen. Die größte überbrückte Entfernung lag übrigens bei deutlich über 10 Metern.

Die Züge traten gegeneinander an und wie es nicht anders zu erwarten war, gewannen die allerbesten Rekruten. Seltsamerweise wollten wir als pazifistische Einheit die Munition aber wieder loswerden. Dies gelang uns nach dem Blaswettbewerb auch, denn wir aßen die Munition in Form von Schokoostereiern einfach auf.

Wer bisher gut gelesen hat, dem wird aufgefallen sein, dass schon lange nicht mehr die Rede von den bunten Eiern war. Nun das sollte geändert werden. Seit Freitag sollten wir die Eier um jeden Preis vor allem und jeden schützen. Mehrfach mussten wir unserem Hauptmann Franeck und unserem Stabsunteroffizier Derb die Eier präsentieren, die sie dann auf den physischen Zustand testeten. Am letzten Tag nun kam eine extrem schwere Aufgabe. Wir mussten unsere Eier vor der Erde schützen – oder besser gesagt vor der Landung auf eben dieser.

Wir bekamen knapp eine Stunde Zeit um unsere Eier irgendwie zu schützen und sie dann aus knapp 4 Metern Höhe aus dem Fenster fallen zu lassen. Die Züge waren dabei unterschiedlich kreativ und erfolgreich. So knüllte der eine Zug einfach alle Materialien in einem Müllbeutel zusammen und schmiss die Eier einfach aus dem Fenster. Immerhin es hatten vier von 12 Eiern des Zuges überlebt.

Der kreativere Zug brauchte zwar etwas länger, aber der baute eine Pyramide, mit Luftballons und ein Landekissen. Die Operation Luft-Boden-Landung klappte auf den Punkt genau. Das Luftkissen wurde auf den Boden gelassen und die fliegende Pyramide wurde abgeworfen. Sie traf das Ziel wie sich zwei Magnete treffen. Und so überlebten denn auch 8 der 12 Eier.

Man darf nun also mal gespannt sein, welcher Zug der kreative Zug war… Genau es war der Zug, der nicht nur große Buchstaben kennt sondern auch schnell, weit und präzise blasen kann.

Nach diesen drei sehr anstrengenden Ausbildungseinheiten „blasen“, „Großschreiben“ und „Eierschutz“ gab es einen eher weniger erfolgreichen Zug und einen überaus erfolgreichen Zug.

Dies wurde feierlich beim letzten Appell des Manöverwochenendes bekannt gegeben. Der Zug Spitz von Unteroffizier Gonzales hat ganz klar die größeren Erfolge erzielt und die Wettkämpfe gewonnen. In seiner Großzügigkeit beschloss der Unteroffizier Gonzales, dass die nun nicht mehr nur potentiellen Verlierer (auch Zug Latte genannt) nicht leer ausgehen sollten. So sollte wenigstens einer von ihnen einen Titel mit heim nehmen dürfen. Er rief einen letzten Wettkampf aus, den ausschließlich der Zug Latte bestritt. Die Rekruten und der Zugführer durften einmal als Osterhase über den Hof hüpfen und dabei singen „ich bin der GBI-Osterhase“. Diesen Wettkamp hat der Stabsunteroffizier Osrod gewonnen. Damit hat er den Titel „GBI-Osterhase“ verliehen bekommen.

Und wer den ganzen Bericht aufmerksam gelesen hat weiß nun auch, wieso es einen finnischen Osterhasen in Sonsbeck gab.

All das und noch viel mehr erlebt man nur mit der GBI. Vielen Dank der gesamten Manöverleitung und den Rekruten, die das Manöver „Bunter Eier III“ zu einem unvergesslichem Wochenende gemacht haben.

Gefr UA (GBI) Maler


Fotos von Manöver